Berlin Velothon 2011
Gute 2 1/2 Wochen ist es inzwischen her, dass ich zusammen mit taxmantom den Berliner Velothon in Angriff genommen habe. Inzwischen war genug Zeit das ganze sacken und hier noch einmal Revue passieren zu lassen.
Den Tag vor dem Rennen verbrachte ich vorwiegend auf der Autobahn, 700km von Karlsruhe in den Hauptstadt wollen runter geschrubbt sein. Um eine Unterkunft musste ich mich glücklicherweise vorher nicht kümmern, da mich Tom dankenswerterweise in sein Zuhause nach Zossen eingeladen hatte. Der Ort mag jetzt nicht jedem sofort ein Begriff sein, liegt ca. 40km südlich von Berlin Mitte, abseits des Berliner Großstadt-Trubels.
Am Abend zuvor bereiteten wir uns mit amerikanischen Monstersteaks und Weißbier auf das Großereignis vor, legales Doping sozusagen. Am Renntag ging’s dann morgens mit der Regionalbahn zum Berliner Hauptbahnhof und von dort zum Startblock am Brandenburger-Tor. Während wir zusammen mit einigen von Toms’ Vereinskollegen auf den Startschuss warteten, hatten die sich schon eine Taktik zurecht gelegt: Schnell starten, schnelle Gruppe suchen, dranhängen. Gesagt, getan, ging es dann auch mit ordentlich Tempo auf die ersten Kilometer, immer am Hinterrad von Vereinskollege Ronny. Gleich am Start so ein hohes Tempo anzuschlagen entspricht sonst nicht meiner Taktik, aber gut, wenn’s hilft. Am Wannsee angekommen konnten wir uns dann endlich mal in einer guten Gruppe einreihen und Luft holen.
Die Strecke ging wunderschön durch Alleen des Berliner Umland und durch kleine Orte, in denen viele der Bewohner das Frühstück an den Strassenrand verlegt haben und die Jedermänner zahlreich anfeuerten. Gelegentliche Musikdarbietungen und größere Menschenansammlungen an Schlüsselstellen erzeugten jedes mal Gänsehaut-Feeling. Der Schnitt war immer noch hoch und in den großen Gruppen fuhren alle dicht an dicht, so dass mir in manchen dieser Situationen schon etwas die Muffe ging. Ein Fahrfehler eines Fahrers und ein Massensturz wäre unausweichlich gewesen. So einen Fehler machten wohl wenig später zwei Mitstreiter, in deren Windschatten Tom und ich gerade unterwegs waren, als sich die beiden plötzlich auf gerader Strecke ordentlich lang machten. Bei Tom war’s superknapp, ich hatte zwar noch etwas mehr Luft, musste aber auch gut aufpassen mich nicht gleich dazu zu legen.
Irgendwann zwischen diesem Crash und diversen (auch unnötigen) Zwischensprints von einer Gruppe zur nächsten (natürlich voll im Wind) gingen mir dann auch noch die Getränke aus. Ich hatte die Verpflegung auf halber Strecke vermutet, was natürlich falsch war und musste so noch knapp 20km bis zur Verpflegung fast ‘trocken’ zurücklegen, in denen Tom mir mit ISO-Getränken aus seinen Riesenbidons ausgeholfen hat.
Nach der Verpflegung ging es über eine autobahnähnlichen Landstrasse (101) wieder zurück in die Berliner Aussenbezirke und irgendwie hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon kaum noch Saft in den Beinen. Sehr gut gefallen hat mir aber trotzdem die Streckenführung über die Start- und Landebahn des stillgelegten Flughafens Tempelhof, auch wenn uns dort eine sehr steife Briese ins Gesicht geweht hat. Das hat noch mal viel Kraft gekostet und die letzten 20 Kilometer bis zur Zielgeraden, auf der Straße des 17 Juni, wurden zur Qual. Tom gab alles mich zu motivieren und Windschatten zu spenden, incl. kurzer Geschichten zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und den Stationen seiner Jugend in Ostberlin. Auf der Zielgerade konnten wir die letzten Körner für einen Schlusssprint zusammen kratzen und das Rennen angemessen beenden.
Als ich mich vor der Transponder-Rückgabe kaum noch auf den Beinen halten konnte, ist mir auch aufgefallen, dass ich während der gesamten Veranstaltung nur einen einzigen Riegel gegessen hatte, was trotz ISO-Getränken natürlich viel zu wenig war. Ganz grober Anfängerfehler, was aber auch schon seinerzeit ’98 Ulle den Toursieg vor Marco Pantani gekostet hatte. Kann also selbst da mal vorkommen….
Nach einer halben Stunde auf der Wiese vorm Reichstag hatte ich mich wieder einigermassen erholt und es ging mit der Bahn zurück nach Zossen und zu den Monstersteaks und dem Weißbier, dafür hatte sich die ganze Anstrengung doch gelohnt. Trotz dem Einbruch gegen Ende ein tolles Rennen und ein prima Wochenende in Berlin, vor allem auch dank der gastfreundlichen Unterbringung und Versorgung.
Statistik:
Strecke: 118 km / 315Hm
Zeit: 03:13:15 (netto) / 03:15:46 (brutto) – Gegen 2009 sieben Minuten verbessert!
Schnitt: 36.7 km/h (netto) / 36.08 km/h (brutto)
Platzierung gesamt: 2133 (von 4945)
Platzierung Altersklasse (Senioren I): 665 (von 1435)








