Mat radelt den Dreiländergiro

Am letzten Wochenende war es endlich soweit. Nachdem aus einem Start bei den ersten drei geplanten Veranstaltungen dieses Frühjahr nix geworden ist, war der Drailändergiro damit gleichzeitig persönlicher Saison-Auftakt und Höhepunkt zugleich. Nach dem Malle-Aufenthalt im Frühjahr und der im Vorfeld fleißig gesammelten Höhenmeter, fühlte ich mich gut gerüstet die Veranstaltung zu überstehen und vor allem auch innerhalb des Zeitlimits zu beenden. Immerhin standen kanpp 170km und 3600Hm auf dem Programm.

Nach der Anreise am Samstag nutzte vor Ort gleich noch die Gelegenheit einen neuen Windbreaker zu kaufen, meiner hing nämlich noch fein säuberlich aufgehängt zu Hause im Schrank. So eine Vergesslichkeit kommt einen immer teuer zu stehen. Ich war aber trotzdem froh diese Möglichkeit gehabt zu haben, denn auf dem Weg zum Start am Sonntag früh um 06:00 war es auf dem Rad dann doch noch knackig kalt, obwohl für den Tag hochsommerliche Temperaturen vorhergesagt waren. Unser Hotel lag auf ~1.600HM, der Startort Nauders auf ~1.400HM, so war der Weg zum Start nicht wirklich zum Aufwärmen geeignet….

Kaum in Nauders angekommen und unter die 3000 Starter gemischt (max. Starterzahl, die Veranstaltung war ausgebucht) gings auch schon los. Wie üblich dauert es immer etwas länger bis sich so viele Rennradler in bewegung gesetzt haben, dann wurde uns aber auch schon auf den ersten Metern gut warm, als gleich nach dem Start den Reschenpass hoch ging. Die erste Abfahrt hinunter nach Prad hat schon sehr viel Spaß gemacht, trotz der Gewissheit, das muss nachher auch alles wieder hoch geradelt werden. In Prad (auf 900Hm) gings dann los in Richtung Stilfserjoch auf ~2800Hm. Die Höhenmeter verteilen sich auf eine Strecke von ca. 28km und 40 Kehren. Es lief hier noch ganz gut, die Labstation (österreichisch für Verpflegungsstelle) auf halber Höhe wollte ich schon fast auslassen. Zum Glück hab’ ich hier aber doch halt gemacht und nachgetankt.

In der letzten Kehre vorm Pass wartete die nächste Labstation auf durstige und hungrige Radler, die sich erfogreich die 2000Hm durch die Kehren gekämpft hatten. Von dort noch ein kurzes Stück bis zur Passhöhe, und die erste Hürde war geschafft. Eine paar handvoll Zuschauer bejubelten dort die Teilnehmer, “Ihr seit alle Helden”-Transparente ließen Gänsehaut-Feeling aufkommen. Es hat zwar schon geschlaucht, vor allem auch durch die immer dünner werdende Luft, aber bis hier hin fühlte ich mich noch ganz gut. Schnell noch ein Helden-Photo schießen lassen, Windweste an und dann gings auch schon daran 1500Hm, über den Umbrailpass, abzufahren. Das Wetter war zwar fantastisch, aber Abfahrten aus der Höhe kühlen einen doch wieder ganz schön ab. Neben der Strasse lagen sicher noch 1,50m Schnee.

Am Aufstieg zum Ofenpass musste ich dann allerdings dafür bezahlen, dass ich es vorher wohl zu schnell angegangen bin. Ich musste hier zwei mal absteigen und mich ein paar Minuten sammeln, bis ich es auf die Passhöhe und zur dortigen Labstation geschafft hatte. Dort angekommen war ich inzwischen alleine unterwegs, mein Mitstreiter Andi hatte sich seine Kräfte besser eingeteilt und war schon weit näher am Ziel als ich. Ab dem Ofenpass waren jedoch die schlimmsten Steigungen gemeistert, jetzt galt es noch ca. 60km in welligem Terrain hinter sich zu bringen. Die Strecke verläuft durch ein Tal, das erfahrene Teilnehmer gerne als das Tal der Tränen oder des Todes bezeichnen, was daran liegt, dass sich dieser Abschnitt extrem lange ziehen kann, sollte man keine Gruppe finden und man sich alleine durch den Wind und die kurzen Steigungen kämpfen muss.
Anfangs war ich hier zwar auch schon alleine auf weiter Flur, wurde aber recht bald von einer Gruppe assimiliert, bei ich ich recht gut mithalten konnte. Nachdem noch 2-3 kleinere Gruppen mit dieser vermolzen waren, lies es sich in diesem Zug von ca. 40 Radlern ordentlich flott Strecke zum Ziel gut machen.

Wäre da nicht kurz vorm Ziel dieser letzte, fieße Anstieg hinauf zur Norbertshöhe, der den ausgelaugten Teilnehmern die letzten Körner aus den Muskeln zieht. An der letzten Labstation mit kaltem RedBull gedopt, war aber auch diese Prüfung irgendwann vorbei und man konnte es runter ins Ziel nach Nauders rollen lassen. Meine offizielle Zeit betrug 9:28:41, wobei es sich hier allerdings um die Bruttozeit handelt.

Meine Platzierung auf Platz 1493 (über alle Altersklassen, Herren) ist jetzt zwar nicht erwähneneswert, aber mein erklärtes Ziel war finishen und nicht unbedingt als letzter. Wir hatten zwar eine ewig lange Anfahrt (da wir noch einen Umweg fahren mussten, um für meinen Mitstreiter ein Ersatzrad einzuladen), eine nicht minder kürzere Heimfahrt und entsprechende Unkosten dafür, aber das alles hat sich auf jeden Fall gelohnt. Das Wetter war fantastisch, keine Wolke am Himmel, die Temperaturen sommerlich warm, die Landschaft und die Strecke top. Die 9h haben durchweg viel Spaß gemacht, ein super Saisonhöhepunkt. Die bisher schönste Veranstltung an der ich teilgenommen habe und durchaus wiederholenswert.

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